Verein zur Förderung der Darstellung mittelalterlichen Brauchtums e.V.

Hexenbad e.V.

Hexenproben


Die Hexenproben sind Methoden mit deren Hilfe man im Rahmen des Hexenprozesses herausfinden wollte, ob es sich bei einer Angeklagten oder einem Angeklagten um eine Hexe oder um einen Hexenmeister handelte oder nicht.

Unter der Bezeichnung „Gottesurteil“ sind auch die Hexenproben bekannt. Nach dem Volksglauben konnte die Unschuld durch ein Zeichen Gottes beweisen werden. In engen Zusammenhang steht dazu der Glaube, dass der Schuldige nur mit Hilfe teuflischen Machwerks siegen kann. Aus dieser Vorstellung entstanden die Hexenproben.

Folgende Hexenproben sind die bekanntesten:

Hexenproben - Die Wasserprobe

Am Anfang des Mittelalters wurde bereits die Wasserprobe, die weit verbreitet war, als Gottesurteil zur Wahrheitsfindung angewandt, bis Innozenz III. sie im Jahre 1215 verbat. Es gab zwei Wasserproben, die mit heißem und die mit kalten Wasser.

Die Wasserprobe mit heißem Wasser (judicium aquae ferventis) ist vermutlich die älteste Form des Gottesurteils in Europa. Der Angeklagte musste dabei mit der bloßen Hand einen Ring oder einen kleinen Stein aus einem Kessel mit kochendem Wasser holen. Die Hand wurde hierauf in einen kleinen Sack eingebunden, den man so sorgsam versiegelte, dass an der kranken Hand nichts gemacht werden konnte. Nach drei Tagen wurde der Sack vor Zeugen geöffnet, und die Hand untersucht. War sie unbeschädigt geblieben, so wurde die Person für unschuldig erklärt; im andern Falle aber erkannte man sie für schuldig.

Die Wasserprobe mit kaltem Wasser (judicium aquae frigidae) wurde vermutlich von Papst Eugenius II. (824-827) eingeführt. Der Angeklagte wurde gefesselt und mit einem Seil in einen Teich heruntergelassen, mit folgender Gebetsformel:

"Lass das Wasser nicht empfangen den Körper dessen der, ßvom Gewicht des Guten befreit ßdurch den Wind der Ungerechtigkeit empor getragen wird."

Sank sie unter, so galt das für einen Beweis ihrer Unschuld, und man zog sie schnell wieder herauf; schwamm sie aber oben, so wurde sie als Schuldig verurteilt. Ein Geistlicher überwacht das Gottesurteil.

Dieser Prüfung mussten sich die angeblichen Hexen unterwerfen, deswegen nannte man sie auch die Hexenprobe.

Im Gegensatz zur Wasserprobe mit heißem Wasser brauchte es in diesem Fall ein "Wunder", um den Angeklagten zu überführen, durch den natürlichen Verlauf der Dinge wurde er freigesprochen.

Das Hexenbad

Das Experiment mit Wasser, daß so genannte Hexenbad, ist unter allem am meisten bekannt. Der angeklagten Person haben sie den linken Arm auf das rechte Bein gebunden und umgekehrt (s. rechts). Dann haben sie die Person mit dem Strick ins Wasser niedergelassen, z. B. in einem Fluss oder Teich. Wenn sie schwimme, war die Hexerei bewiesen, wenn sie aber ertrank, dann war ihre Unschuld bewiesen. Meistens ertrank sie dann aber. Insgesamt konnte die Probe bis zu 3x wiederholt werden.

Die Nadelprobe

Die Nagelprobe war zur Zeit der Hexenverfolgung eine der bewährtesten Hexenproben und wurde durch den Scharfrichter (= Henker) durchgeführt, der auch für die Durchführung der ganzen Tortur zuständig war. Dem Angeklagten wurde der Körper und der Kopf kahl geschoren und er musste sich nackt vor den Richter stellen.

Man suchte den Körper nach Hautveränderungen ab, die das Zeichen des Teufels tragen sollten. Fanden sie irgendwo einen Leberfleck, so wurde der Angeklagte sofort verurteilt.

Hierbei kommt die Vorstellung zum Tragen, dass der Teufel seinen Bündnispartnern und -partnerinnen gleichsam als Zeichen der Verbundenheit ein Zeichen aufdrückt. Die Körperstelle, worauf der Teufel sein Zeichen brannte, sollte schmerzunempfindlich sein und es wurde behauptet, dass aus einer solchen niemals Blut fließen könne. Deshalb galt es nur als logisch, dass entsprechend gezeichnete Menschen es weder spüren können, wenn man mit einer Nadel in ein solches Hexenmal hineinsticht, noch dass es dabei zum üblichen Fließen von Blut kommen könne.

Es sind noch Nadeln erhalten, die für die Suche des Hexenmals zum Einsatz kamen. Darunter befinden sich auch solche, die eindeutig zum Betrug an den Opfern dienten, denn bei ihnen weicht bei Druck die Nadel in den Schaft zurück, sodass logischerweise weder Schmerz noch Blutfluss entstehen konnte. 

Die Nadelprobe wurde zu einer regelrechten "Wissenschaft", bei der speziell entwickelte Nadeln, Ahlen und Lanzetten in die Körper der Verdächtigten getrieben wurden. Hauptberufliche Hexenrichter zogen im Lande umher und übten dieses Gewerbe gegen Gebühr aus. 

Beispielsweise wurde 1649 ein Fachmann auf diesem Gebiet nach Newcastle (Schottland) gerufen, wo er dreißig Menschen auf geschilderte Weise untersuchte. Das der Mann seine Entlohnung nach Zahl überführter Hexen bekam - pro Kopf 20 Schillinge - führte naturgemäß zu einer besonders hohen "Trefferquote" nebst nachfolgendem Todesurteil (PICKERING, 218f.). 


Die Tränenprobe

Die Tränenprobe ist eine der Hexenproben, die bei Hexenprozessen zur "Wahrheitsfindung" angewendet wurden, um festzustellen, ob es sich bei dem Angeklagten um eine Hexe bzw. einen Hexenmeister handelte. Mit Nachdruck wies der „Hexenhammer" die Richter auf die besondere Zuverlässigkeit dieser Probe hin:

Hexen könnten keine Tränen ver­gießen.

Ausgehend von der Annahme, dass eine Hexe nicht weinen könne, wurden nicht "geständige" Angeklagte aufgefordert zu weinen. Kam es dann zu einem Tränenfluss, wurde dies als Indiz für ihre Unschuld angesehen.

Ebenso wurde ein Mangel an Tränen während einer Folter als Zeichen für ein Bündnis mit dem Teufel angesehen. Wer während der quälenden Folter keine Tränen vergoss, war eine Hexe.

Beschwörungsgebet zur Tränenprobe

Der Richter oder der Pfarrer legten der Denunzierten die Hand auf das Haupt und sprachen dabei ein Gebet, in dem sie Jesus Christus bescherten.

"Ich beschwöre dich um der bitteren Tränen willen, die von unserem Heiland, dem Herrn Jesus Christus, am Kreuze für unser Heil vergossen worden sind, dass du, im Falle du unschuldig bist,Tränen vergießt, wenn schuldig nicht!"

Für gewöhnlich stellte der Richter mit Genugtuung fest, das die Beschworene sich vergeblich angestrengt habe zu weinen. Während der Folter durften die Frauen demnach, da sie nach der Probe als Hexe entlarvt worden waren, nicht weinen. Weinte die Gemarterte dann doch, so wurde dies als Blendwerk des Teufels gedeutet.

Bricht die Beschuldigte angesichts der Folterwerkzeuge nicht sofort in Tränen aus, ist sie eine Hexe. Weint sie vor Schmerz, ist das vom Teufel eingegeben und sie ist erst recht eine Hexe.

Zweifel der Rechtsgelehrten

Erst im Jahre 1737 wagten es Rechtsgelehrte bescheidene Zweifel auszusprechen, in dem sie sich auf die Autorität von Ärzten beriefen und erklärten, dass das Übermaß der Folterqual eine Tränenergießung verhindere.

Die Eisenprobe

Das ehemalige Gottesurteil, die Eisenprobe wurde bei Rechtsprechung mit herangezogen. Die üblichste Methode war, ein Stück Eisen aus einem Topf mit kochendem Wasser zu nehmen und neun Schritte mit dem Eisen in den Händen zu machen. Man konnte auch 12 Schritte über glühendes Eisen gehen um den Wahrheitsgehalt seiner Aussage oder seine Unschuld zu beweisen. Die Füße wurden nach 3 Tagen untersucht. Wenn dann die Wunden rein waren, war die Unschuld bewiesen. Harald Gille Norwegens König bewies sein Anrecht auf den Thron mit dieser Methode. Diese Art der Rechtsprechung überlebte die Wikingerzeit. Die christliche Kirche führte die Eisenprobe als Gottesbeweis ein und schaffte sie im Jahre 1247 auch wieder ab.

Die Feuerprobe

Die Feuerprobe war, wie andere Gottesurteile, bereits bei den Germanen, bei den Angelsachsen und den Wikingern üblich und gehörte auch zu den Hexenproben des Mittelalters, wodurch die Schuld oder Unschuld eines Angeklagten festgestellt wurde. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Folter, deren Zweck es war, einen Angeklagten zum Geständnis zu bringen.
Ursprünglich musste sich der Angeklagte dabei mit nacktem Gesäß auf das Feuer setzen. Wenn die Haut nicht verletzt wurde, war der Beschuldigte unschuldig. Später traten auch andere Varianten auf:
  • Der Angeklagte musste barfuß über sechs oder zwölf rotglühende Pflugscharen gehen
  • Der Angeklagte musste ein glühendes Eisen über eine Distanz von neun Fuß oder mehr tragen
  • Der Angeklagte musste seine Hand in ein Feuer strecken (wovon die Redensart "dafür lege ich die Hand ins Feuer" kommt)
  • Der Angeklagte musste einen Gegenstand aus flüssigem Blei, siedendem Wasser oder Öl herausholen.

Als Unschuldsbeweis galt dabei das Nichtentstehen oder schnelle Abheilen von Brandmalen. Vom Verdacht gereinigt galten auch jene, die in einem wachsgetränkten Hemd einen flammenden Holzstoß durchquerten, ohne das Wachs zu Boden tropfte oder das Hemd Feuer fing.

Drei Tage später wurden Hände und Füße begutachtet. Wenn der Angeklagte dabei unverletzt blieb, oder wenn seine Verletzung nicht eiterte, galt seine Unschuld als erwiesen, im anderen Fall wurde er bestraft.

Wie andere Gottesurteile verschwand auch die Feuerprobe im zwölften und dreizehnten Jahrhundert und wurde durch säkulare Gerichtsbarkeit ersetzt.


Die Wiegeprobe

Eine weitere Methode war die "Wiegeprobe". Die als Hexe bezichtigte Frau wurde hierbei auf eine Waage gestellt und durfte nicht mehr als 5 kg wiegen, da sie ja auch fliegen konnten und auf dem Wasser wie Holz schwämmen (siehe Hexenbad).

Dieses geringe Gewicht kam nach Ansicht der damaligen Menschen daher, dass die Hexe ihr "Innerstes" (ihre Seele) an den Teufel verloren hätte.

Wenn sie aber weniger wog, kam es zur Anklage. Doch wenn sie mehr wog, beschuldigte man sie, die Waage durch die Macht des Teufels verhext zu haben. So wurde die Besagte fast immer angeklagt und verurteilt.

Je nach Region wurde die Wiegeprobe aber verschieden angewandt. So wurde z.B. ein "göttliches" Gewicht bestimmt - etwa einen heiligen Relikt aus der Kirche. Mit einer riesigen Waage wurde nun dieses Gewicht mit dem der Hexe ausgewogen. War die Hexe gleich schwer, so war ihre Unschuld bewiesen. In anderen Orten war eine Hexe je nachdem, ob sie schwerer oder leichter war wie der ausgewählte Gegenstand schuldig oder unschuldig.

Es ist allerdings auch bekannt, dass in einigen aufgeklärteren Regionen Beschuldigte sich ein entlastendes Gutachten über ein normales menschliches Gewicht holen konnten, welches von der Gerichtsbarkeit durchaus anerkannt wurde.


Die Bahrprobe

Die Bahrprobe war im Mittelalter auch ein Gottesurteil (Ordal), mit dem man in einem Mordfall den Mörder zu finden hoffte oder mit dem ein des Mordes Angeklagter seine Unschuld zu beweisen versuchte. In Hexenprozessen fand die Bahrprobe ebenfalls Verwendung, und zwar dann, wenn ein Mord vorgeblich mit Hilfe der Schwarzen Magie erfolgt war.

Oft reichte ein Gerücht oder eine falsche Aussage, um eine der Hexerei beschuldigten Person zu verurteilen. Doch auch die absurden Prüfungen waren fast ausschließlich zum Nachteil der vermeidlichen Hexen. Zu diesen absurden Prüfungen gehörte auch die Bahrprobe oder das Bahrrecht (it. prova del cataletto), auch Hexenprobe oder Blutprobe genannt, welche auf alten Volksglauben zurückgeht.

Bei der Anwendung der Bahrprobe glaubte man, dass der Körper eines Mordopfers in Gegenwart des Mörders wieder zu bluten beginne. Diese Methode wurde insbesondere mit Fällen von Hexerei in Zusammenhang gebracht. Oft galt es als sicheres Indiz der Hexerei, wenn ein Leichnam beim Erscheinen der/des Verdächtigten Blut absonderte.

Die Bahrprobe als Hexenprobe in der Prozesspraxis

Im 14. Jahrhundert wird das Bahrrecht zum ersten Mal Gesetzlich fixiert. Ein Beispiel liefert das Rechtsbuch des Rupert von Freising aus dem Jahre 1328, wo es heißt:

"man soll den Toten ausgraben, seine Wunden mit Wasser und Wein waschen und sie dann trocknen lassen; der Beschuldigte soll dreimal auf seinen Knien um die Bahre gehen, soll den Toten küssen und diese Worte sprechen: ich ziuch an got und an dich, daz ich an deinem tot unschuldich pin... habent sich die wunten verchert, daz si trorich sint, so ist er des tots schuldich."

Beispiele

Jennet Preston „Hexe von Pendle“ 1612

Einer der berühmtesten Fälle, in denen die Bahrprobe als Hexenprobe angewandt wurde, war der Prozess gegen Jennet Preston „Hexe von Pendle“, die man neben anderen Hexen von Pendle des Mordes mit Hilfe von Zauberei angeklagt hatte. Sie wurde aufgefordert, die Leiche des Thomas Lister, ihres angeblichen Opfers, zu berühren, worauf diese sofort zu bluten begann. Obwohl Jennet Preston jegliche Schuld leugnete, wurde sie am 27. Juli 1612 in York wegen Mordes verurteilt und bald darauf gehängt.

Christine Wilson „Hexe von Dalkeith 1661“

Ein anderes Beispiel war der Prozess gegen Christine Wilson, die „Hexe von Dalkeith”, der 1661 in Schottland stattfand. Von den Richtern aufgefordert, die Leiche ihres vermeintlichen Opfers zu berühren, legte Christine Wilson einen Finger auf die tödliche Wunde, die zur „grossen Verwunderung all der Zuschauenden” als Beweis für die Schuld der Frau heftig zu bluten begann.

Ähnlich wie die Wasserprobe, die bei Hexereiverdacht vollzogen wurde, war auch die Bahrprobe innerhalb der Juristenschaft umstritten. Insbesondere die Rechtsgelehrten lehnten derartige Verfahren, die mündlich tradiert waren, zumeist ab.

Der Hexenhammer (Malleus maleficarum) etwa erklärt das ius cruentationis (unter Berufung auf Vincentius) damit, dass die Wunde, infiziert vom Geiste des Mörders durch starke Vorstellung die infizierte Luft anzieht; geht der Mörder vorbei, so fließt das Blut heraus, weil bei der Anwesenheit des Mörders die in der Wunde eingeschlossene Luft, wie sie vom Mörder aus eindrang, bei seiner Gegenwart bewegt wird, durch welche Bewegung das Blut ausfließt.